Christbaum ist mehr als Deko

Zwischen Nordmanntannen und Weihnachtszauber

Sie ist 18 Jahre alt, kommt aus Maria Laach am Jauerling und ist mit Christbäumen groß geworden. 2026 startet Caroline König in ihre erste Saison als Christbaumkönigin. Im Gespräch erzählt sie, warum selbst bei einer Christbaumfamilie das Christkind den Baum brachte, was eine Nordmanntanne für sie mit Heimat zu tun hat – und welche Botschaft sie in ihrer Amtszeit vermitteln möchte.

Zwischen Nordmanntannen und Weihnachtszauber

Weihnachten beginnt bei Familie König nicht erst im Dezember. Während andernorts Christbaumständer, Lichterketten und Weihnachtskugeln noch monatelang im Keller auf ihren Einsatz warten, stehen am Jauerling die künftigen Weihnachtsbäume längst draußen. Sie wachsen. Langsam. Jahr für Jahr.

Rund 19 Hektar umfasst die Christbaumfläche des Familienbetriebs in Maria Laach am Jauerling. Und mittendrin ist Caroline König aufgewachsen. Ihre Kindheit zwischen Christbäumen hat Spuren hinterlassen. Fragt man die 18-Jährige nach ihrer Lieblingsbaumart, fällt die Antwort wenig überraschend aus: Nordmanntanne. Auf dem elterlichen Betrieb wachsen ausschließlich Nordmanntannen. „Sie begleitet mich schon mein ganzes Leben und steht für mich nicht nur für Weihnachten, sondern auch für Heimat und Tradition“, sagt Caroline.

Die tiefgrünen, weichen Nadeln, der gleichmäßige Wuchs – so sieht für sie ein klassischer Weihnachtsbaum aus. Doch Caroline kennt auch die andere Seite. Lange bevor ein Baum geschmückt im Wohnzimmer steht, ist er ein landwirtschaftliches Produkt, das über Jahre hinweg Aufmerksamkeit und Pflege braucht. Seit ihrer Kindheit hilft sie deshalb am Betrieb mit. Am liebsten draußen in den Kulturen. „Es ist etwas Besonderes, ihre Entwicklung über die Jahre hinweg mitzuerleben.“

© Eva Lechner / LK Niederösterreich

Caroline König hilft tatkräftig in der Christbaumkultur ihrer Familie mit. Dabei tauscht sie Dirndl samt Krone und Scherpe gegen Arbeitskleidung.

Schleife Christbaumkönigin © Eva Lechner/LK Niederösterreich

Schleife Christbaumkönigin

Schleife der Christbaumkönigin

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Der Christbaum kommt vom Christkind

Bei so viel Fachwissen stellt sich eine entscheidende Weihnachtsfrage: Kann man eigentlich noch an das Christkind glauben, wenn man als Kind genau weiß, wo die Christbäume herkommen? Offenbar ja.

Auch im Hause König brachte das Christkind den Weihnachtsbaum. „Obwohl ich genau wusste, dass wir die Bäume selbst setzen und bewirtschaften, war es jedes Jahr ein schöner Moment, wenn der geschmückte Baum im Wohnzimmer stand“, erinnert sich Caroline. Vielleicht erklärt gerade diese Kindheitserinnerung, warum Christbäume für sie bis heute mehr sind als ein landwirtschaftliches Erzeugnis. Sie kennt die Arbeit davor – und trotzdem hat der fertige Baum für sie nichts von seiner Magie verloren. „Der Christbaum gehört für mich einfach zu Weihnachten dazu. Er steht für Zusammenhalt, Tradition und Geborgenheit, bringt Menschen zusammen und schafft eine besondere Atmosphäre.“

Arbeit der Bäuerinnen und Bauern sichtbar machen

2026 bekommt ihre Verbindung zum Christbaum eine neue Dimension: Caroline König startet in ihre erste Saison als Christbaumkönigin. Der Nachname sorgt dabei fast zwangsläufig für ein Schmunzeln. Dass eine König zur Königin wird, könnte man für eine Idee aus der Marketingabteilung halten. In diesem Fall ist es schlicht ihr Name.

Hinter Krone und Schärpe steckt allerdings eine ernsthafte Aufgabe. Caroline möchte während ihrer Amtszeit vermitteln, was zwischen dem Pflanzen eines Baumes und jenem Dezembertag passiert, an dem eine Familie ihren Weihnachtsbaum aussucht. „Hinter jedem einzelnen Baum stehen viele Jahre Pflege, Erfahrung und Einsatz“, sagt sie. „Als Christbaumkönigin möchte ich diese Arbeit und unsere Naturbäume nach außen vertreten und den Menschen den Wert eines heimischen, regionalen Christbaums näherbringen.“ Genau darin sieht sie eine ihrer wichtigsten Aufgaben: Produzierende und Konsumierende stärker miteinander in Kontakt zu bringen. Denn wer im Dezember durch eine Christbaumkultur oder über einen Verkaufsplatz geht, sieht vor allem das Ergebnis. Caroline möchte auch die Geschichte davor erzählen.

Warum nicht jeder Christbaum perfekt sein muss

Diese Geschichte handelt auch davon, dass Natur nicht nach Schablone arbeitet. Manche Bäume wachsen kompakt, andere schlank. Einer scheint beinahe symmetrisch, beim nächsten entwickelt ein Ast seinen ganz eigenen Plan. Für Caroline ist das kein Makel, sondern eine Eigenschaft des Naturprodukts. „Jeder Naturbaum ist auf seine eigene Art und Weise einzigartig – und genau das macht ihn noch besonderer.“

Vielleicht ist das auch ein Gedanke für den nächsten Christbaumkauf. Muss der perfekte Weihnachtsbaum tatsächlich aussehen, als hätte jemand jeden einzelnen Ast mit dem Lineal positioniert? Oder darf man ihm ansehen, dass er gewachsen ist? Für Caroline ist jedenfalls klar, dass die Geschichte des Baumes nicht mit seiner Optik endet. Regionalität, Nachhaltigkeit und Wertschätzung will sie während ihrer Amtszeit besonders in den Mittelpunkt stellen. Dabei möchte sie auch zeigen, dass der Christbaum Teil regionaler landwirtschaftlicher Wertschöpfung ist – und dass hinter dem fertigen Produkt Betriebe und Familien stehe

Klimawandel trifft auch die Christbaumkultur

Ganz ohne Herausforderungen blickt Caroline nicht auf die kommenden Jahre. Sie nennt vor allem klimatische Veränderungen, steigende Anforderungen an die Betriebe und die Konkurrenz durch künstliche Weihnachtsbäume. Ihre Antwort darauf lautet: erklären, woher der heimische Christbaum kommt und wie er produziert wird. „Es wird immer wichtiger, den Wert eines echten Christbaums hervorzuheben“, sagt sie. Das Amt der Christbaumkönigin versteht sie deshalb nicht nur repräsentativ. Sie möchte Menschen erreichen, Wissen vermitteln und Bewusstsein für heimische Naturbäume schaffen. Und vermutlich wird sie dabei auch die eine oder andere Frage beantworten müssen, die sie aus eigener Erfahrung längst kennt: Welcher Baum ist der schönste? Bei Caroline dürfte zumindest die Baumart außer Streit stehen. Nordmanntanne, natürlich.

Was macht eine Christbaumkönigin hauptberuflich?

Die 18-Jährige Caroline König arbeitet als Behindertenbetreuerin in der Caritas-Werkstatt Braunegg. Dazu kommen die Mitarbeit am Familienbetrieb und nun ihre Aufgaben als Christbaumkönigin. Drei ziemlich unterschiedliche Welten, die erst einmal organisiert werden wollen. Caroline sieht das pragmatisch: „Mit guter Organisation lassen sich alle Aufgaben gut selbstständig bewältigen.“ Wenn Unterstützung notwendig ist, kann sie außerdem auf ihre Familie und ihren Freundeskreis zählen. Gerade während der Weihnachtszeit dürfte Organisation tatsächlich gefragt sein. Denn dann wird es auch auf dem heimischen Betrieb besonders lebendig und die ganze Familie hilft zusammen.

Weihnachtsstimmung trifft auf harte Arbeit

Für Menschen, die ihren Christbaum im Dezember aussuchen, dauert die Entscheidung vielleicht eine halbe Stunde. Zu klein. Zu breit. Zu licht. Der dort drüben wäre schön – aber passt der überhaupt ins Auto? Für die Menschen, die diese Bäume produzieren, liegt zu diesem Zeitpunkt bereits ein Vielfaches an Arbeit dahinter.

Genau diese beiden Perspektiven möchte Caroline König während ihrer Amtszeit zusammenbringen. „Die Christbaumproduktion ist weit mehr als ein landwirtschaftlicher Betriebszweig“, sagt sie. „Über viele Jahre hinweg begleiten wir unsere Bäume beim Wachsen, bis sie schließlich Teil eines ganz besonderen Moments im Leben vieler Familien werden.“ Vielleicht ist das am Ende auch das Spannende an ihrem neuen Amt. Caroline kennt den Christbaum als Kind, das auf das Christkind wartet. Als Tochter eines Christbaumbetriebs, die weiß, wie viel Arbeit vor dem Fest kommt. Als junge Frau, die selbst in den Kulturen mitarbeitet. Und ab 2026 auch als Christbaumkönigin, die genau diese Geschichte nach außen tragen möchte.

Wenn im Advent die ersten Bäume den Jauerling verlassen und wenige Zeit später geschmückt in Wohnzimmern stehen, beginnt deshalb nicht nur die wichtigste Zeit des Jahres für den Familienbetrieb. Für Caroline König beginnt ihre erste richtige Saison mit Krone.

Fakten zum Weihnachtsbaum

  • 1,1 Millionen Christbäume in Österreichs Haushalten stammen aus Niederösterreich.
  • 40 km beträgt der Durchschnittsweg eines heimischen Christbaums vom Feld zum Verkaufsstand.
  • Um zwei Meter hoch zu werden benötigt ein Christbaum mindestens 10 Jahre.
  • 202 Christbaumbauern haben sich mit der NÖ-Herkunftsschleife unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft NÖ Christbaumbauern der kontrollierten, nachvollziehbaren Herkunft verschrieben.